>>Drei Tage im März<< - Protestbericht aus Augsburg

Liebe Freund*innen und Genoss*innen,

in unregelmäßigen Abständen wollen wir nun Berichte und Bilder zu politischen Veranstaltungen veröffentlichen.

Den Anfang machen „Drei Tage im März“.

Zwischen dem 07. und 09.03. fanden in Augsburg gleich mehrere Aktionen und Demonstrationen statt, an denen sich zahlreiche lokale Aktivist*innen beteiligten. Im Folgenden handelt es sich um einen subjektiven Bericht, der sich auf das Erlebte von Anwesenden stützt.

7. März

Wer am Samstag dem 07. März um ca. 14 Uhr auf den Königsplatz ging, dem bot sich ein für Augsburg relativ ungewöhnliches Bild: An drei verschiedenen Ecken konnten Gruppen von Aktivist*innen des linken Spektrums angetroffen werden. Vorm Rewe kam es zu einem spontanen Protest gegen einen Infostand der extrem Rechten AFD, am zentralen Platz im Park sammelten sich Demonstrierende für eine Wohnraumdemo und an der Ecke Deutsche Bank machten sich Aktivist*innen für das „Kollektive Menstruieren gegen die Marktwirtschaft“ bereit.

Was den Protest gegen den Infostand der blau-rechten angeht, lief dieser jedoch schon seit ca. 10 Uhr morgens. Eine Gruppe von zwischenzeitlich ca. 40 Antifaschist*innen schaffte es der AFD ordentlich den Tag zu versauen. Von Anfang an wurde „in unmittelbarer Nähe“ mit vielen Transpis und Sprechchören auf die Menschenfeindlichkeit der Partei, die dort scheinheilig um Stimmen für die kommende Kommunalwahl buhlte, aufmerksam gemacht. Zudem wurden am Königsplatz auf dem Boden zahlreiche antifaschistische Botschaften hinterlassen. Durch den starken Auftritt der Aktivist*innen, konnten die Rechten ihre Propaganda zu keinem Zeitpunkt ungestört an andere Rassist*innen weiter geben. Viel mehr noch: Gestärkt durch den lautstarken Protest reagierten viele Passant*innen  offensichtlich ablehnend auf etwaige Verhetzungsversuche. (Ob durch demonstratives Zerreißen des Infomaterials, „ablehnenden“ Gesten oder durch aktive Streitgespräche).

Sichtlich genervt packte der traurige Haufen rechter Kommunalpolitiker*innen um ca. 14 Uhr dann auch ihre sieben Sachen und zogen frustriert von Dannen. Aus antifaschistischer Sicht also insgesamt eine durchaus erfolgreiche Aktion! Keinen ungestörten Raum für die Menschenfeindlichkeit der AFD!

Quasi direkt im Anschluss starteten zwei Demonstrationen vom Königsplatz durch die Stadt.

Die Wohnraumdemo wurde von „Augsburg in Bürgerhand“, einer links-alternativen Vereinigung aus dem Attac-Umfeld, angemeldet. Leider kam die Mobilisierung hierbei über deren eigenen Kreise kaum hinaus. Wir finden das Engagement und den Aktivismus im Bereich dieses Themas überaus wichtig. Gerade eben auch im von Gentrifizierung, Mietpreisspirale und städteplanerischem Versagen seit Jahren extrem betroffenen Augsburg. Leider stellen wir fest, dass in den letzten Monaten immer wieder Demonstrationen in diesem Bereich von einzelnen Gruppierungen angemeldet wurden Die daraus resultierende, eher geringe Beteiligung wird der Thematik bei weitem nicht gerecht. Hier wären in mittelfristiger Zukunft wohl gut organisierte und beworbene, gemeinsame Aktionen ein besserer Weg um den fortlaufenden Mietwucher und der aktiven Verdrängung von uns, aus unseren Vierteln, nötig!

Die zweite Gruppe, die sich dann auf den Weg machte, war ebenfalls relativ überschaubar. Jedoch aufgrund eines riesigen blutenden Tampon`s (Augsburgs stärkster OB) nicht zu übersehen. Begleitet durch aufklärende Kommentare machte sich der Zug – immer der Menstruations-Blut-Spur hinterher – auf durch die Stadt. Dank des provokanten Konzepts etwas zu thematisieren, dass vollkommen normal sein sollte, wurde großes Aufsehen erregt. Meist war die Reaktion von außen positiv, teils verunsichert lustig. Gerade als dann auch Leute direkt aus der Demo mit Mikrophon angesprochen und nach ihren persönlichen Erfahrungen rund um die Menstruation gefragt wurden, entwickelten sich angenehme Gespräche. Weniger angenehme Empfindungen ruft die Thematik wohl bei alten weißen Männern mit Hang zu blauen Parteien auf: Vertreter dieser, nach eigenem Empfinden hart Benachteiligten Gruppe, wurden durch die Aktion derart in Rage gebracht, dass sie die Aktivist*innen teils äußerst aggressiv verbal anfeindeten.

Die Augsburger Polizei war phasenweise mit fast so vielen Einsatzkräften wie Demonstrationsteilnehmer*innen vor Ort, was bei Aktionen wie dieser natürlich umso lächerlicher ist.

Alles in Einem war‘s eine super Sache, die sich in die verschiedenen Termine rund um den Frauenstreik an diesem Wochenende einreihte und nochmal gut Werbung für den Sonntag machte!

8. März

Am Sonntag hieß es dann „Wir kochen schon lange, wir machen einen Auflauf“. Unter diesem Motto zog auch dieses Jahr wieder eine unglaubliche Zahl an Frauen* und Solidarisierte weltweit auf die Straße, um ihren Widerstand gegen das Patriarchat zum Ausdruck zu bringen. So auch, dank der Organisation des Frauen*steik-Komitees Augsburg, zum zweiten Mal hier vor Ort.

Ab 14:00 Uhr traf sich der lila Auflauf am Moritzplatz. Während den Redebeiträgen und den Besuchen bei den anwesenden Infoständen, wuchs die Zahl der Teilnehmenden auf ca. 400 Personen. (Die Augsburger Allgemeine hat wohl um 13:55 gezählt oder sich auf die anscheinend grundsätzlich mit Dyskalkulie gestraften Augsburger Bullen verlassen und kam auf ganze 150 Anwesende). Viel wichtiger aber ist, dass die gegen 15 Uhr gestartete Demo bunt, laut und sehr stark verlief. Dutzende Transparente und Schilder verliehen den Anliegen der Feministischen Bewegung zusätzlichen Ausdruck. Häufig wurde hierbei auch auf die Intersektionalität und die Verbindung von Antifaschismus, sozialem Kampf und Feminismus hingewiesen.

Ohne größere Störungen zog die Demonstration, begleitet von stimmungsvoller Musik ausm Lauti, Sprechchören und einer Trommelgruppe, durch die Innenstadt, hin zu einer Zwischenkundgebung vor dem Augsburger Dom. Hier wurden im Vorfeld die sakralen Statuen auf dem Vorplatz in lila gehüllt. Während der Zwischenkundgebung wurde mit Redebeiträgen der Antifeminismus der Religionen thematisiert. Eine Gruppe von Frauen* führte im Anschluss eine Aktion im Femen-Stil direkt vor dem Haupttor des Doms durch und setzten sich an die Spitze des Demonstrationszuges. Dieser zog nun über das Theater, durch das Bahnhofsviertel zurück an den Moritzplatz. Dort angekommen, war die Demoküche bereit zum Ausgeben eines farblich ganz zum Tag passenden Auflaufs -Eintopfs.

Mit den letzten Redebeiträgen und einem abschließenden kurdischen Tanz zu Liedern der YPJ, wurde der Augsburger Frauen*streik 2020 beschlossen und eine Wiederholung am nächsten 08. März angekündigt. Nicht wenige der Demonstrierenden ließen den Abend dann noch auf der After-Party im City Club oder einer der anderen anschließenden Veranstaltungen ausklingen.

9. März

Während der Frauenstreik*-Demo wurde wiederholt für einen weiteren Termin mobilisiert, der schließlich Montagabend stattfinden sollte: Die Kundgebung „Grenzen öffnen. Menschenrechte wahren. Faschismus bekämpfen!“ des Augsburger Flüchtlingsrats. Ein breites Bündnis unterstützte angesichts der unglaublichen Zustände an den europäischen Außengrenzen und auf Lesbos den Aufruf, um ein gemeinsames Zeichen zu setzen. Gekommen waren um die 200 Antifaschist*innen, die genau dieses betonten.

Ein Zitat eines Redners ist uns besonders im Gedächtnis geblieben: „Für mich und wahrscheinlich die meisten Antifaschisten ist es nicht lebenswichtig, stolz auf Deutschland zu sein – wir wären schon zufrieden damit, uns weniger dafür schämen zu müssen“. In diesem Sinne wurden Reden unterschiedlicher beteiligter Gruppen und Organisationen gehalten. Auch das Frauenstreik*-Komitee war wieder am Start und schloss ihre starke Rede mit den Worten: „Wir können erst frei sein, wenn alle Menschen frei sind.“ Flankiert wurde die Kundgebung durch antifaschistische und antirassistische Transparente und Fahnen.

Für uns war die Versammlung ein gutes, kleines Zeichen in einem großen und zermürbenden Kampf um das fundamentale Recht auf ein menschenwürdiges und freies Leben.

Wir sagen: „Weg mit den Grenzen. Menschenrechte wahren. Faschismus bekämpfen!“

Insgesamt waren es drei gute Tage im März, für das widerständige Augsburg. Immer häufiger kommt hier in der Stadt das Gefühl auf, es entwickelt sich erstmals so etwas wie eine größere linke Kultur. Unentbehrlich ist dabei natürlich das Engagement der Einzelnen. Wir bedanken uns besonders bei jenen, die auch dieses Wochenende Aktionen und Proteste, teils in langer Vorarbeit, organisierten. Auch freuen wir uns über alle die, die sich daran beteiligt haben! Motiviert auch andere, bleibt oder werdet solidarisch, informiert und diskutiert über unsere Themen! Bildet Banden!

Ein letztes Wort soll sich an Alle richten, die nicht auf die Straße gehen wollen oder können:

Ihr fehlt! Gemeinsam können wir noch mehr verändern!

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