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Innovationen in Flüchtlingsunterbringung?

22. November um 18:30 bis 20:30

Innovationen in Flüchtlingsunterbringung: Notlösung, Utopie oder echte Alternative?

Seit Jahrzehnten werden Asylsuchende überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Diese stehen jedoch in der Kritik, weil sie ihre Bewohner räumlich und sozial isolieren. In den letzten Jahren sind deshalb europaweit viele Initiativen entstanden, die Alternativen zum ‘Prinzip Lager’ schaffen wollen. Welche Ansätze sind vielversprechend und wo lagen die Schwierigkeiten? Und ist dem ‘Prinzip Lager’ überhaupt zu entkommen? Diesen Fragen widmen sich die Vorträge von Dr. Karin Geuijen und Marielle Zill der Universität Utrecht und Simon Goebel der Universität Eichstätt. Den Vorträgen folgt eine öffentliche Diskussion.

Dr. Karin Geuijen, Universität Utrecht
Innovationen in der Aufnahme, Unterbringung und Integration Geflüchteter in Utrecht, den Niederlanden. (Vortrag auf Englisch)

Im November 2016 eröffnete in Utrecht ‘Plan Einstein’, eine innovatives gemeinschaftliches Wohnprojekt zur Aufnahme Geflüchteter. Das Projekt wurde von der Stadt Utrecht initiiert in Kooperation mit sozialen Unternehmungen, Nichtregierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen. In Plan Einstein wurde auf gemeinschaftliches Lernen gesetzt, Nachbarn wurden eingeladen um zusammen mit Geflüchteten Englisch und Entrepreneurship Kurse zu belegen. Ziel des Projekts waren gute nachbarschaftliche Beziehungen, verbesserte Fähigkeiten und höheres Wohlbefinden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese Ziele nur zum Teil erreicht wurden. So könnten mehr Möglichkeiten zur Koproduktion und Teilhabe innerhalb des Projekts zu gleichwertigeren zwischenmenschlichen Beziehungen führen. Dies setzt jedoch auch eine weniger restriktive Europäische Asylpolitik voraus.

Marielle Zill, Universität Utrecht
Weg von einer ‚Politik des Unbehagens‘? Das Grandhotel Cosmopolis zwischen Utopie und Experiment.
Die staatliche Unterbringung von Asylbewerbern charakterisiert sich durch die räumliche und soziale Isolation von Asylbewerbern. Der staatlichen Isolationspolitik stehen Unterbringungsmodelle von nicht-staatlichen Organisationen wie dem Grandhotel Cosmopolis entgegen, welche den täglichen Kontakt zwischen Geflüchteten und der lokalen Bevölkerung fördern und Vorurteile abbauen sollen. Dieser Kontrast zwischen ‚Isolation und Integration‘ findet sich nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch in den Medien wieder. In diesem Vortrag wird das Grandhotel aus drei verschiedenen Perspektiven vorgestellt: Der Medien, der Nachbarn und der Geflüchteten selbst. Diese zeigen nicht nur dass im Grandhotel die staatliche ‚Politik des Unbehagens‘ und lokale Solidarität aufeinanderprallen. Es wird auch deutlich, dass das Grandhotel weder ‚Vorzeigeprojekt‘ noch ‚Utopie‘ ist wie in den Medien suggeriert, sondern vor allem eines: Ein experimenteller Lernort der Zivilgesellschaft.

Dr. Simon Goebel, Zentrum Flucht und Migration (Universität Eichstätt)/Tür an Tür
Kontradiktionen im Lagersystem

Asylsuchende und abgelehnte Asylbewerber*innen werden in der Bundesrepublik seit den 1980er Jahren überwiegend nicht in Wohnungen, sondern in Gemeinschaftsunterkünften bzw. Lagern untergebracht. Legitimiert wurden diese und andere Abschreckungsmaßnahmen mit der Reaktion auf einen Notstand bzw. eine Ausnahmesituation. Diese Politik des dauerhaften Ausnahmezustandes hat sich etabliert, Geflüchtete werden weiterhin an den Rand der Gesellschaft gedrängt, Selbstbestimmung und Teilhabe massiv erschwert. Initiativen, die die Art und Weise der Unterbringung verbessern wollen, sind zwar wichtig und begrüßenswert. Letztlich ändern sie jedoch nichts am Prinzip Lager. Daher plädiert der Beitrag dafür, im Kontext von Initiativen wie dem Grand Hotel nicht von Innovationen zu sprechen, sondern von Kontradiktionen.

https://www.facebook.com/events/779316445864283/

Details

Datum:
22. November
Zeit:
18:30 bis 20:30
Website:
https://www.facebook.com/events/779316445864283/

Veranstaltungsort

Grandhotel Cosmopolis
Grandhotel Cosmopolis